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Looping

Looping
Leila (Jella Haase) ist 19 und ein Rummel-Kind. Doch zwischen Auto- Scooter und Zuckerwatte versteht das sensible Mädchen keiner. Nicht mal ihre beste Freundin Sara (Luisa-Céline Gaffron), in die sie heimlich verliebt ist. Als eine chaotische Nacht in der Notaufnahme endet, lässt sich Leila freiwillig in eine psychiatrische Klinik einweisen. Dort teilt sie sich das Zimmer mit der schüchternen Frenja (Lana Cooper) und der geheimnisvollen Ann (Marie-Lou Sellem). Obwohl die Frauen so unterschiedlich sind – Frenja ist verheiratet und Mutter einer kleinen Tochter, Ann hat sich ihr Leben lang gegen feste Bindungen entschieden – kommen sich die drei schnell immer näher. Sie begehren sich und verlieben sich ineinander. Nachts büchsen sie aus der Klinik aus, baden zusammen im Pool, ziehen feiernd durch Clubs. Leila fühlt sich auf einmal erkannt und aufgehoben. Doch traut sie sich auch ohne den Kokon dieser Liebe wieder in die Achterbahn der AuÃ?enwelt?

Die Berliner Regiedebütantin Leonie Krippendorff hat für ihr intimes Frauenporträt eine sinnliche Bildsprache gefunden, bei der die Kamera dicht auf den Körpern der Figuren bleibt und ihre Suche nach Halt und Nähe mit traumwandlerischer Poesie einfängt. In der Rolle der introvertierten Leila brilliert Nachwuchsdarstellerin Jella Haase, die seit ‘Lollipop Monster’ (2011) auf widerspenstige Figuren spezialisiert ist und für ihre Auftritte als prollige Tussi Chantal in ‘Fack ju Göhte’ (2013) und ‘Fack ju Göhte 2′ (2015) bei der Berlinale 2016 als Shootingstar ausgezeichnet wurde.

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Die Wunde

Die Wunde
‘Eastern Cape’ in Südafrika. Xolani (Nakhane Touré), ein stiller Fabrikarbeiter, reist in ein abgelegenes Camp in den Bergen, um als Mentor an einem uralten Beschneidungsritual der ‘Xhosa’ teilzunehmen. Dabei soll er sich vor allem um Kwanda (Niza Jay) kümmern, einen rebellischen Teenager aus Johannesburg. Während Kwanda in einer Hütte auf die Heilung seiner Wunde wartet, trifft Xolani heimlich seinen alten Freund Vija (Bongile Mantsai) wieder, einen verheirateten Mann, den er nur einmal im Jahr, am Rande des Rituals sieht. Wie immer haben die beiden wilden Sex, doch diesmal gesteht Xolani dem Freund auch seine Liebe. Als Kwanda, der selbst schwul ist, hinter das Geheimnis seiner Mentoren kommt, steht Xolani vor einer folgenschweren Entscheidung…

Bereits in seinem preisgekrönten Kurzfilm ‘Die Ziege’ (2014) widmete sich Regisseur John Trengove dem Ukwaluka-Beschneidungsritus seiner südafrikanischen Heimat. In seinem Spielfilmdebüt ‘Die Wunde’ (2017) bettet er darin die Geschichte einer schwulen Liebesbeziehung ein und bricht damit gleich zwei Tabus auf einmal: Bis heute wird in weiten Teilen der südafrikanischen Gesellschaft weder über Ukwaluka noch über Homosexualität offen gesprochen. ‘Die Wunde’ hatte seine Weltpremiere im Wettbewerb des Sundance-Filmfestivals und eröffnete zwei Wochen später das Panorama der ‘Berlinale’. Das Ritual: ‘Ukwaluka’ ist ein traditionelles Beschneidungsritual zur Initiation junger Männer, das unter den ‘Xhosa’ in Südafrika noch weit verbreitet ist. Zweimal im Jahr verlassen heranwachsende Männer ihre Gemeinschaften und leben in abgeschiedenen Camps, wo sie rituell beschnitten werden. Mehrere Wochen lang werden die Beschnittenen von jungen Männern aus ihren Gemeinschaften, sogenannten ‘Khankathas’, gepflegt und betreut. Danach kehren sie nach Hause zurück und nehmen von da an die Rechte und Pflichten Erwachsener wahr. Die Praxis des ‘Ukwaluka’ steht zunehmend in der Kritik, vor allem hinsichtlich ihrer Sicherheit und Relevanz. Nach wie vor ist sie jedoch ein Eckpfeiler der traditionellen Kultur der ‘Xhosa’ und gilt als das wichtigste Ereignis im Leben eines Mannes. Xhosa-Männern ist es eigentlich verboten, offen über ihre Erfahrungen mit ‘Ukwaluka’ zu sprechen. Ausgerechnet Nelson Mandela brach bereits 1994 dieses Tabu und beschrieb seine Initiation in seiner Autobiografie ‘Der lange Weg zur Freiheit’. Das Ritual ist auch das Thema von ‘A Man Who Is Not A Man’ (2009), dem Debütroman von Thando Mgqolozana, dem Co-Autor von ‘Die Wunde’.

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120 BPM

120 BPM
Paris, Anfang der 90er. Seit fast zehn Jahren wütet AIDS in Frankreich, doch noch immer wird über die Epidemie in weiten Teilen der Gesellschaft geschwiegen. Mitterrands Regierung kümmert sich nicht um sexuelle Aufklärung und die Pharma-Lobby verschleppt die Entwicklung neuer Medikamente. ‘Act Up’, eine Aktivistengruppe von Betroffenen, will auf die Missstände aufmerksam machen. Sie schmeiÃ?t Kunstblut-gefüllte Wasserbomben auf die Wände von Forschungseinrichtungen und kapert bewaffnet mit Informationsbroschüren die Klassenräume der Stadt. Wie weit die Aktionen gehen dürfen, wird bei den wöchentlichen Treffen kontrovers diskutiert. Als der 26-jährige Nathan (Arnaud Valois), der selbst HIV-negativ ist, zu ‘Act Up’ stöÃ?t, zieht ihn die Entschlossenheit der Gemeinschaft sofort in ihren Bann. Und er verliebt sich in Sean (Nahuel Pérez Biscayart), den Mutigsten und Radikalsten der Gruppe. Zusammen kämpfen sie an vorderster Front, selbst dann noch, als bei Sean die Krankheit schon längst ausgebrochen ist…

Der aus Marokko stammende französische Regisseur Robin Campillo (siehe auch ‘The Returned’ von 2004 und ‘Eastern Boys’ 2013 im Verleihprogramm) engagierte sich in den 90ern jahrelang selbst bei ‘Act Up’, kurz für ‘AIDS Coalition to Unleash Power’. Auf Basis seiner persönlichen Erfahrungen zeigt er in ’120 BPM’ die kontroversen Debatten und spektakulären Aktionen der Gruppe und setzt damit dem europäischen Aids-Aktivismus ein längst überfälliges filmisches Denkmal. Sein mitreiÃ?endes Zeitstück entfaltet aber erst durch die darin eingebettete intime Liebesgeschichte zwischen Nathan und Sean seine volle, revolutionäre Kraft. In einem historischen Moment, in dem für HIV-Positive und deren Angehörige und Freunde das Politische von persönlicher, ja existentieller Bedeutung ist, begegnet ein Liebespaar der gesellschaftlichen Ignoranz und der Angst vor dem eigenem Tod mit rasendem Widerstand, wildem Sex und einem unbändigen Willen zu leben. ’120 BPM’ wurde im Entstehungsjahr 2017 im Wettbewerb von Cannes uraufgeführt, als Meisterwerk gefeiert und mit drei der wichtigen Preise ausgezeichnet: dem ‘Grand Prix’, der ‘Queer Palm’ sowie dem ‘FIPRESCI’ Preis.

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